"CHARMS ZWISCHENFÄLLE" (CHARM'S INCIDENTS) DVD in der STANDARD EDITION "Der österr.Film #65"
DVD bei hoanzl


Auswahl Presse Zitate

Eine sehr intensive aber lustige Interpretation der Gedichte und Geschichten des vergessen Russischen Autors Daniil Charms. Michael Kreihsl hat die verschiedenen Sentenzen zu einer Geschichte eines armen Poeten, der verschiedene bizarre Abenteuer erlebt, zusammengesetzt. Er verliebt sich in eine Frau, die sowohl ihren Körperumfang wie ihre Zuneigung ständig ändert, schließlich wird der Dichter auf eine sehr Kafkaeske Art und Weise von der Polizei abgeholt. (VARIETY March 4-10/96)

Eine Mischung aus Chaplin-esken Gags, bös-zynischem Wiener Humor und bittere Satire auf Charms Erfahrungen mit der Stalin-Diktatur. (SKIP Kinomagazin 3/96)

Ein Mann im Aquaplaning zwischen Pop und Hochkultur. Kulturelle Schleudergefahr. Nach den surrealen Texten des Russen Daniil Charms konstruiert Kreihsl eine kleine Komödie, in der Eigenartiges geschieht. Ein mitteloser Poet (Johannes Silberschneider) wird in seiner Wohnung von zwei heiligen Königen gestellt und verhaftet. Eine Rückblende scheint zu erklären, wie alles gekommen ist (erklärt aber absolut nichts): der junge Mann lebt in Armut, wie der winzige Wurtsrest im Kühlschrank signalisiert, draußen anonyme Grauzone. Beim Anstellen um Brot lernt er eine Frau (Ela Piplits) kennen, die er auf einen Salat zu sich einlädt, wo sie unter anderem so tut, als transportiere sie stets ein Hämmerchen im Mund. Die absurd-frivole Nachbarin (Elzbieta Czyzewska) preist dem angeödeten Helden zweimal, in polnischem Stolperdeutsch, ihre schönen langen Strümpfe. Wie bei Laurel und Hardy gehorchen die Objekte in CHARMS ZWISCHENFÄLLE den Gesetzen der Welt nicht mehr : zündet man den Herd an einer Stelle, fängt eine andere Feuer. Aus der Unlogik macht Kreihsl eine Tugend- und praktiziert den Irrsinn mit Konsequenz. Wolfgang Hübsch und Ulrich Tukur, erstklassige Stichwortgeber, beteiligen sich mit Verve am Sprach und Bedeutungswirbel. CHARMS ZWISCHENFÄLLE, könnte man sagen, erzählt (im Sinne Bunuels fast) von der Unmöglichkeit zu kommunizieren und vom totalen Nonsens des Utopien-Aufbaus : Menschen in der Krise, die von oben solange Druck ertragen, bis ihre Kunst erstickt. Darin wird Daniil Charms dann selbst sichtbar, der 1942 verarmt, verbannt, diffamiert und verboten in einer Gefängniszelle starb. Kreihsl ehrt diesen Mann mit einer beklemmend heiteren Hymne an die freie Assoziation, die soviel an österreichischen Absonderlichkeiten feilbietet, daß sie bei der Berlinale 96 für volle Säle, Heiterkeit und einen Preis sorgte. (DIE PRESSE 22.3.96)

Ein Überzeugungstäter des heimischen Kinos : Michael Kreihsls neue Filmkomödie "Charms Zwischenfälle" könnte nicht nur bei "Haffmans"_Lesern Kultstatus erlangen. Mit wenig Budget und tödlichem Ernst und großartigen Darstellern in das tragikkomische Universum eines Daniil Charms.
(Der Standard 23.3.96)

Ein Zimmer mit Aussicht auf einen Mietskasernenhof.Daniil Charms schreibt, kritzelt, träumt. Beim Anstellen ums Brot lernt er eine junge Frau kennen. Was dann folgt, ist ein absurdes Wetterleuchten, Szenen, Begegnungen, die in ihrer skurrilität an Fellinischen Wahnwitz erinnern, die einen staunen und noch mehr rätseln lassen, bis zum bitteren Ende.
(Neue Kronenzeitung 22.3.96 )

Eine unglücksrabenschwarze Komödie.Absurditätlichkeiten, schnurrig und obskur inszeniert, mit oft schlichter Symbolik. Ein Türknopf funktioniert als Wasserhahn, ein Hut brennt, zum verunglückten Rendezvous treten fiedelnde Musiker aus einem Kasten. Hände werden zu Messer und Gabel, die Wurst und Käse aufspießen. Poetisch gesehen ein Zweizeiler, zur Ballade gewortet,. Filmisch betrachtet, die ganz andere Löwingerbühne, aber mit viel besseren Schauspielern.
(KURIER 22.3.96)

Der Film erzählt weniger eine Geschichte, als daß er Zwischenfälle aneinanderreiht : kleine und größere Episoden. Begegnungen und Nonsens-Dialoge. Wundersame Dinge geschehen: manchmal machen sie Juvacev (Johannes Silberschneider) staunen - etwa wenn seine Mütze ihm ohne ersichtlichen Grund vom Kopf fällt und sogleich verbrennt oder wenn Leute kleine Hämmerchen aus ihren Mündern holen - manchmal nicht. Wollte man Vergleiche für die Ereignismuster und Stimmungslage des Films finden, könnte man Kafka bemühen, aber auch den späten Bunuel, die Monty Pythons (warum nicht?) und Polanski. Seine Stärken entfaltet CHARMS ZWISCHENFÄLLE im hartnäckigen Ausspielen seiner eigengesetzlichen Sketches, wobei vor allem Wolfgang Hübsch brilliert, man fühlt sich gepackt von einer Aura des Surrealen und Absurden und man muß auch ganz viel lachen.
(FALTER 3/96)

Surreal und Kafkaesk mutet die Welt an, mit der uns der, bei der Berlinale 96 preisgekrönte, Film konfrontiert. Ein Dichter lebt in seiner kargen Bleibe in einer Stadt, die Wien heißen könnte oder Prag oder Petersburg, in einer unbestimmten Zeit. Bis er von zwei Männern abgeholt wird und verschwindet. In der Zwischenzeit passiert viel Merkwürdiges. Hände werden zu Messer und Gabel, ein Mann steckt sich Butter in den Mund und geht sie verkaufen, eine Mütze wird vom Kopf geweht und verbrennt. Alle rationalen Zusammenhänge sind aufgelöst. Traum und Wirklichkeit schieben sich ständig ineinander. Das Unbegreifliche erscheint alltäglich, und das Alltägliche selbst ist hintergründig. Der Österreicher Michael Kreihsl entwickelt seine Bildsprache in Anlehnung an die Arbeiten des russischen Schriftstellers Daniil Charms und schuf einen Film, der das Thema des Verschwindens in einer poetischen verdichteten Atmosphäre visualisiert.
(NEUE ZEIT Graz 3/96)

Der Schriftsteller Juvacev (Johannes Silberschneider) hat kaum mehr Geld. Er bekommt Besuch. Er schüttet ihm heißes Wasser ins Gesicht und wirft ihn hinaus. Aus dem Schrank kommen zwei Musikanten, zwei der heiligen drei Könige durchsuchen sein Zimmer, und die Leute ziehen kleine Holzhämmerchen aus ihren Mündern. Bildpoetisch wird eine surreale und tiefgründige Welt geschaffen, die so herrlich absurd ist, daß hinter jeder Szene ein Sketch und ein Lacher hängen. Ziemlich wild und abgedreht, aber absolut sehenswert.
(OXMOX Hamburg 11/96)

Ginge es nicht um Charms, wäre die Geschichte des poetischen Hungerleiders Juvacev, der seine Gedichte an die Wand schreibt und die bizarren Warnungen der Geheimpolizei in den Wind schreibt, rasch erzählt : der weltfremde Dichter verliebt sich ein ein Mädchen aus dem Volk, das kaum weniger arm ist als er selbst, er findet Schnecken im Salat, wenn er sie in seinen vier Pappmachéwänden bekochen will und wird von einem im Geiste amoklaufenden Nachbarn um sein Rendezvous gebracht. Er hat vor Hunger und ungestillter Sehnsucht Visionen, in denen sich seine Hände in Messer und Gabel verwandeln oder die geliebte Maria ihm in einer Suppenküche als Braut entgegentritt. Die Pannen und Pleiten gehören zur Normalität des Dichters. Nicht seine Wahrnehmung ist ver-rückt, sondern die Welt, die ihn bedrängt und ihren Willen zur Norm erhebt. Daß die Obsession der Hausbewohner, die einen im Flur kampierenden Penner aus Gründen der Hygiene und des Anstands mit Benzin übergießen, tatsächlich so absurd sind als seien sie den Filmen des tschechischen Surrealisten Jan Swankmeijer entflohen, gibt dem Betrachter reichlich zu lachen, ändert aber nichts an dem bedrohlichen Diktat des zur Methode erhobenen Wahnsinns. Die ältliche Nymphomanin, die Ärztin, die den Mann der Nymphomanin mit der "Untersuchungspille" vergiftet, die Polizeispitzel, die sich zur Hausdurchsuchung beim Dichter als Heilige Zwei Könige verkleiden und ihre Drohungen singend hervorbringen, sie alle repräsentieren ein konformistische Un-Ordnung, die den sie ordentlich durchschauenden Dichter zum Außenseiter stempelt.
(STRANDGUT Berlin 2/96)

Die surrealistischen Sketche des russischen Schriftstellers Daniil Charms hat sich der österreichische Filmemacher Michael Kreihsl zum Stoff für sein Kinodebüt gewählt. Charms -vom Pech verfolgt- stolpert durch diverse absurd-komische Situationen. Skurrile Tragikomödie. Filmische Annäherung an Daniil Charms literarischen Dadaismus. Daniil Charms ist eine literarische Legende, sein Leben war so traurig, absurd und fremd wie sein Werk : der gebürtige Petersburger schrieb in den 2oer und 3oer Jahren künstlerisch revolutionäre Prosa, die weder in seiner heimatlichen Sowjetunion noch sonstwo veröffentlich wurde, sowie Kinderbücher, von deren Honorar er sich nicht ernähren konnte. 1942 starb er, als politisch Verdächtiger grundlos verhaftet, 37jährig in seiner Zelle. Man sagt er sei dort verhungert. Man sagt er sei dort vergessen worden. Michael Kreihsl hat aus seinen grausam komischen, manchmal kafkaesken Texten einen Film gemacht.CHARMS ZWISCHENFÄLLE ist weder eine reine Bebilderung der Texte noch eine biographische Erzählung, sondern eine Symbiose aus beidem. Motive aus Charms´ Prosa werden aufgegriffen: mal verfilmt, mal nur erzählt (am schönsten von Ulrich Tukur). Und immer wieder taucht in dieser kargen, aber auch phantastischen Welt, die irgendwo zwischen dem Wien der 3oer Jahren und Peter Pans Neverneverland liegt, der Schriftsteller Juvacev auf, dessen Irren durch eine rätselhafte Zeit Charms´Leben nicht unähnlich ist. Auch er wird schließlich abgeführt. Und wie bei Charms ist das schrecklich komisch.
(CINEMA 10/96)


DIRECTOR Michael Kreihsl
SCREENPLAY Michael Kreihsl
BASED ON THE WORK BY Daniil Charms
DIRECTOR OF PHOTOGRAPHY Oliver Bokelberg
PRODUCTION DESIGNER Renate Martin, Andreas Donhauser
COSTUME DESIGNER Sabine Volz, Mona Quintus
SOUND ENGINEER Heinz Ebner
EDITOR Andrea Wagner, Michael Kreihsl
PRODUCTION COORDINATOR Ulrike Lässer
PRODUCTION MANAGER Gebhard Zupan
PRODUCER Veit Heiduschka
PRODUCTION COMPANY Wega-Filmproduktion
TECHNICAL DATA 88 min, Super 16 mm (blowup 35 mm), Farbe, Dolby A, © 1996

CAST Johannes Silberschneider, Wolfgang Hübsch, Ela Piplits, Elzbieta Czyzewska, Ulrich Tukur, Roswitha Soukup, Justus Neumann, Karl Ferdinand Kratzl, Johann Adam Oest a.o.


Press comments

An intense but funny interpretation of the poems and stories of forgotten Soviet dadaist Daniil Charms, this will be a hard one to swallow for all but die-hard intelectuals.Pic received the Caligari Award at the recent Berlin fest.
Charms wrote one book before dying in a Stalin Prison camp during the second world war. Vienna-based director-writer Michael Kreihsl has adapted various "poems and sentences" into an almost-story about a poor russian poet (Johannes Silberschneider) who lives in Vienna,speaks German and has several bizarre adventures.He falls in love with a woman who keeps changing size as well as her mind, is picked up by the police in a Kafkaesque way, has his life narrated by a stranger (Ulrich Tukur) who keeps popping up, and so on. Once you accept the movie´s concept, the various episodes are well executed and funny.Silberschneider´s perf is predictably laconic and droopy-faced, while Tukur("Stamnmheim", "My mother´s courage")saves the pic from boredom with his snappy, theatrical irony.
Oliver Bokelberg´s camerawork is appropriately brooding and dark. Production designers Renate Martin and Andreas Donhauser also ensure that the low- budget enterprise sticks in the mind.-- Eric Hansen
VARIETY March 1997

The humor here is very Austrian - a bit masochistic and a bit gruesome… Kreihsl has staged these episodes with a tremendously casual air, so in the end even the most grotesque developments appear plausible. And after all, that is what makes the cinema so stunning: that you can come to feel at home in even the most sinister of galaxies.
(Süddeutsche Zeitung)

A man aquaplaning between pop and high culture. Wherever Michael Kreihsl operates, there is the danger of cultural slippage. CHARM'S INCIDENTS masters the links between art and the trivial without difficulty - almost inevitably.
(Die Presse)

CHARM'S INCIDENTS, one might say, portrays (almost in the sense of Bunuel) the impossibility of communication and the total nonsense of utopian structures: Kreihsl honours the poet Charms with a tormentingly cheerful hymn to free association which presents such a high degree of Austrian peculiarities that it secured full houses, good humour and a prize at the 1996 Berlin Film Festival.
(DIE PRESSE 22.3.96)

A persuasive example of Austrian cinema: Michael Kreihsl's new comedy film Charm's Incidents may well achieve cult status. A deadly serious venture into the tragi-comic universe of a certain Daniil Charms, with a modest budget and outstanding actors.
(Der Standard 23.3.96)

If one wanted to find comparisons for the pattern of events and atmosphere in the film, one could cite Kafka, but also the later Bunuel, the Monty Pythons (why not?) and Polanski. You feel gripped by an aura of the surreal and the absurd - and you also have to laugh a lot.
(FALTER 3/96)

Poetic imagery creates a surreal and profound world which is so magnificently absurd that a sketch and a laugh underpins every scene. Rather wild and tough, but absolutely worth seeing.
(OXMOX Hamburg 11/96)