PRESSESTIMMEN

Vom Fallen aus der Zeit oder: Die trockenen Farben des späten Tizian
In "Heimkehr der Jäger" erzählt Michael Kreihsl von alter Malerei und modernem Leben, von sich ankündigendem Wahnsinn und dem Rückzug in die Imagination.
In einer Zeit zwischen Herbst und Winter hält sich dieser Film auf, in einer unwirklichen Welt: Den weiten Landschaften von Heimkehr der Herde und Jäger im Schnee, den letzten Bildern aus Pieter Bruegels sechsteiligem Jahreszeiten-Zyklus, verdankt Michael Kreihsls Heimkehr der Jäger Farben und Motive: Ocker und Weiß dominieren den Film, später auch tiefenscharfe Naturszenerien unter dunklen Herbstwolken.
Mit dem Auftragen der Farbe, mit der Grundierung der Leinwand beginnt der Film: ein Kopist an der Arbeit im Haus der hohen Kunst. Ulrich Tukur spielt diesen Mann, diese Chronik einer wachsenden Verstörung, mit großer Konzentration, um Genauigkeit bemüht, nicht ums Spektakel. Dem Spiel Tukurs entspricht der Blick der Inszenierung, die sich lustvoll an Details entzündet, die ein Auge für kleine Absurditäten }nd alltägliche Gemeinheiten hat.
Die Leute rennen immer nur vorbei an der Kunst, das ärgert den Kopisten, der &u}ml;ber seiner Einsamkeit zunehmend unnachsichtig und widerständig wird: Kreihsls Held sehnt sich nach einer Welt, die nicht in sich zerfällt, nach einem unmontierten Leben. Aber das Kino, die entscheidende Kunstform der Moderne, kann ihm den ersehnten Rahmen auch nicht bieten: Es kennt selbst nur den Zerfall, die Zerkleinerung der Welt-Bilder.

Nicht mehr ganz in Ordnung
In Kreihsls Montage spiegelt sich diese Brüchigkeit, sie rafft und verknappt, setzt Musiksplitter gegen Dialog-Bruchstücke, sie löst die Welt wie zum Beweis noch einmal auf: An den Kanten der elliptischen Erzählung wird hier die Groteske eines entfremdeten Lebens geschärft. Der kulturpessimistische Held ist nicht von Sinnen, aber in Ordnung ist er auch nicht mehr: Er flieht, wie so viele seiner Art, in die Radikalisierung, in die Aufrüstung, die Auflehnung gegen eine flüchtige Welt. Die Orte verschwinden und mit ihnen auch der Mensch.
Seltsames geschieht in der Welt draußen, außerhalb des Kunsthistorischen: Der Kopist läßt das Leben, das er gewohnt ist, aber immer weniger erträgt, hinter sich, um in alten Kostümen, wie bei Bruegel, durchs Land zu ziehen. Er wird dabei nicht froh, dazu weiß er zu genau, daß, was er tut, ohne Folge sein wird. Von der Kunst in den Zeiten des Geldes handelt Heimkehr der Jäger auch: Den Supermarkt tauscht Kreihsl gegen das Museum, spielt ein öffentliches Haus gegen das andere aus. Sogar Kunstwitze fallen ab, ganz ernst ist die Sache noch nicht: Der späte Tizian und seine trockenen Farben, heißt es da, machten den Betrachter durstig. Und Rembrandt blickt verstört, im Selbstporträt, über die Jahrhunderte hinweg, aus dem Bild an der Wand, aus dem Sichtfenster des Kinos: ein Mann out of time; außerhalb der Zeit, genau wie die Figur, die Tukur spielt.
Heimkehr der Jäger bemüht sich nicht um Reinheit: Kreihsl mischt die Stimmungen und Genres, wechselt Ideen, Tonfälle und Erzählmittel, macht keinen Unterskhied zischen elektronischer Musik und Händels Arien, zwischen Literatur, Malerei, Video und Kino.
Am Ende hat sich auch das Filmbild verwandelt: An blauweißen Bruegel-Schneelandschaften zieht die Kamera Oliver Bokelbergs, der als Mitautor dieses Films gesehen werden muß, vorbei. Ob die Resignation, mit der Kreihsl in die Welt schaut, legitim ist; darüber wird man streiten können. Und die Romanze, die der Filmemacher am Rande nach einschiebt, kommt nicht recht an. Aber im Experiment liegt die Courage: Wer nicht versucht, sich von sich selbst zu befreien, wird immer nur mit sich allein sein.
Stefan Grissemann, Die Presse, 18. November 2000

Lächerliche Vereinsamung: "Heimkehr der Jäger" von Michael Kreihsl:
Stillleben mit Aufkleber: Ein Widerstand

Warum lauft ein Kopist Amok? In Michael Kreihsls j&}uml;ngstem Spielfilm generiert ein Alltag samt bornierter Mitmenschen und zunehmend verunsichernder Lebensstrukturen eine Tragikomödie, die bei aller Härte der Verhältnisse immer noch eine gewisse Leichtigkeit bewahrt.
Wien - Kann es sein, dass das wunschlose Unglück und die Depression in und über Österreich wirklich größer ist als anderswo? Man will es kaum glauben. Aber es ist schon erstaunlich, wie wenig selbstironisches Potenzial - im Gegensatz zu anderen Ländern - viele fiktive schwache österreichische Helden haben: Hierzulande hält man es ja gerne mit Michael Haneke, murmelt mit blauen Lippen etwas von "emotionaler Vergletscherung" und geht bestenfalls hilflos, aber gemütlich in den kabarettistischen Kleinkunst-Keller lachen.
Ein bisschen Angst kam im vergangenen Jahr also immer wieder auf, wenn man dem Regisseur und Drehbuchautor Michael Kreihsl begegnete und von ihm in etwa mit folgender Kurzfassung der Handlung seines neuen Spielfilms Heimkehr der Jäger konfrontiert wurde: Ein Kopist niederländischer Meisterwerke im Kunsthistorischen Museum leidet unter der Trennung von seinem Kind, der zunehmend unmenschlichen und wenig kunstsinnigen Umwelt, der Kälte der Werbeplakate - und dreht also, weil man offenbar anders nicht reagieren kann, durch.
Dies klang nun ein bisschen sehr nach Der siebente Kontinent II - This Time It's Very Very Cold. Und eigentlich war es nur schwer mit Kreihsls letztem Wurf Charms' Zwischenfälle zu assoziieren: Zwar kommunizierten auch dort die beengten Verhältnisse eines Künstlers mit einer katastrophalen Außenwelt. Aber, um mit Thomas Bernhard zu reden: "Alles ist lächerlich, wenn man an den Tod denkt." Und, frei nicht nur nach Bernhard oder eben Daniil Charms: Wenn die Welt da draußen lächerlich und brutal ist - bitte, dann sind wir es erst recht.
Man darf von einem großen Glück reden, dass Michael Kreihsl diesen Grundsatz auch bei Heimkehr der Jäger doch weiterhin beherzigt hat. Und erst recht beglückt die Tatsache, dass er mit Ulrich Tukur einen Hauptdarsteller fand,(der souverän auf dem Grat zwischen lächerlichem Realismus und fantastischer Farce balanciert.
So wie sich das Drehbuch kaum Alltagsjargon erlaubt und dennoch die Kamera auch Alltäglichkeiten ungekünstelt wahrzunehmen vermag, ist Tukur entrückte Kunstfigur und plausibler Charakterkopf zugleich: Am besten in absurden Sequenzen, die hart an den Rand zur Haneke-Parodie gehen. Verzweifelt tobt er da über einen Autobus-Chauffeur, der vor dem Haus den Motor konsequent auf Standgas laufen lässt. Und sein körperlich nachvollziehbarer Schmerz über die Invasion von Supermärkten gipfelt in einem grimmig-perfektionistischen Akt künstlerischer (Re-)Produktion:
Eine Frucht auf einem historischen Ölgemälde "vmrschönert" der Kopist mit einem getreulich abgemalten Werbekleber jener Art, die heutzutage in diversen Obst- und Gemüseregalen die Waren zieren. Akribisch wie dieser Mikro-Widerständler agiert letztlich auch Kreihsls Inszenierung bzw. Bildkomposition. An seinem Film, über dessen kulturpessimistische Anklänge natürlich immer noch vortrefflich zu streiten wäre, sieht man: Formale Sicherheit führt auch zu inhaltlicher Bereicherung. Heimkehr der Jäger ragt in diesem Sinne nicht zuletzt auch visuell und akustisch weit über das Gros der heimischen Produktionen hinaus.
Sicher, manchmal nerven dann Handlungsstränge wie eine Romanze des Kopisten mit einer Supermarktverkäuferin - erst recht, weil Julia Filimonov gegenüber Tukur und dem Rest eines großartigen Ensembles (Nikolaus Paryla, Johannes Silberschneider, Johann Adam Oest u. a.) eigentümlich farblos wirkt. Dennoch: nachdrückliche Empfehlung! Und darüber, ob der heimischen Realität nicht doch noch etwas andere, weder vergletscherte noch kabarettistische Aspekte abzuringen wären, wird man in weiterer Folge wohl noch öfter disputieren müssen.
Claus Philipp, Der Standard, 17. November 2000

"Ein Mensch vereinsamt. Inmitten der immer lauter werdenden Umwelt. Ein Kopist verschmilzt immer stärker mit seiner Arbeit, die Bilder werden zur Wirklichkeit, die Wirklichkeit verkommt zu Zerrbildern. Private und berufliche Schwierigkeiten häufen sich. Und der Mann macht einen "starken Abgang". Wie Männer das leider oftmals tun, einen Abgang in Gewalt und Tod.
So etwas sah man vor einigen Jahren auch in 'Falling Down', doch lag dort der Schwerpunkt auf dem ständig präsenten Gewaltpotential, das einen Vereinsamten, Verzweifelten zu Gewalttaten treiben kann. Hier ist alles viel subtiler, fantastischer, vielleicht auch zynischer und doch stellenweise poetisch. Und aukh die Groteske kommt nicht zu kurz. Wie wehrt sich ein Mensch gegen eine immer unmenschlicher werdende Gesellschaft? So? Verrückt, wahnwitzig, schlau? Ein grandios gespielter Film, der virtuos mit seinem Thema spielt und als 'Lösung' eine irrwitzige 'Geisterbahnfahrt' anbietet."
L. Ch., Wiener Zeitung, 16. November 2000

"Michael Kreihsls HEIMKEHR DER JÄGER, betitelt nach einem Brueghel-Gemälde, berichtet von einem einsamen Kopisten, dessen Arbeit im Kunsthistorischen Museum zum Verlust der Wirklichkeit, besser: zum Gewinn destabilisierender Fantasien führt. Der Mann, mit radikaler Zurückhaltung virtuos dargestellt von Ulrich Tukur, verliert sich in einem Paralleluniversum, das Äußeres und Inneres, Lebenswelt und Kunstwelt subtil ineinander fließen läßt. Kreihsl überträgt wie sein Held Brueghels Farben auf die eigene Leinwand, hochkompetent unterstützt von Kameramann Oliver Bokelberg, und er gibt dibei entschieden, im österreichischen Film eine Rarität, der Kunst den Vorzug über das Kunstgewerbe und der Stille den Sieg über Amok, Lärm und Vernichtung."
Stefan Grissemann, Die Presse; Februar 2000 anläßlich der Berlinale 2000

"Michael Kreihsl gelingt mit HEIMKEHR DER JÄGER ein Kunst-Stück, das so bewusst wie spielerisch die österreichiskhe Lage der letzten Monate zu kommentieren weiß: Ulrich Tukur als Kopist von niederländischen alten Meistern im Kunsthistorischen Museum gestaltet eine Figur wie aus einem Text von Thomas Bernhard, die irrtümlich in den kalten Kosmos von Michael Haneke geraten ist. Kreihsls Kunstoriff dabei: Er nimmt seinen verbissenen Helden nie tierisch ernst. Statt dessen zeigt er, wie sich ein Einzelner vor grotesken Leerläufen selbst verzettelt. Insofern ist HEIMKEHR DER JÄGER auch eine grimmig-heitere Abhandlung über argumentative Ladehemmungen der österreichischen Intellektuellen bzw. des heimischen Kinos."
Claus Philipp, Der Standard, Februar 2000 anläßlich der Berlinale 2000

"Man könnte HEIMKEHR DER JÄGER den Vorwurf einer überholten Form von Kapitalismuskritik machen, den Versuch, die Geistes- und Kulturgeschichte Europas gegen die Schnelllebigkeit und Verwerflichkeit der neuen Zeit hoch zu halten. Natürlich greift Kreihsl in seiner Geschichte vom Untergang des Abendlandes zu so mancher Symbolik, kann der Versuchung der direkten Veranschaulichung nicht immer widerstehen, wenn sich etwas Pieter Brueghels "Turmbau zu Babel" als Bau des modernsten Einkaufszentrums von Wien entpuppt, dem neuen Ort der Kommunikationslosigkeit und des Zerfalls. Es gäbe für ihn nichts Schöneres als Schnee in einer Winterlandschaft mit einer weißen Decke, meint Franz einmal zu der jungen Frau, die er kennenlernen wird, und wenn er das sagt, schwenkt die Kamera wie zur Bestätigung auf Brueghels "Die Jäger im Schnee".
Doch HEIMKEHR DER JÄGER bleibt hier nicht stehen, gibt sich mit Hinweisen und Attitüden nicht zufrieden. Wo etwa die Nähe zu Haneke deutlich spürbar wird, bindet Kreihsl seine kulturhistorischen Verweise und Anspielungen direkt an seine Hauptfigur und kann dadurch den pessimistischen Blick auf den Wandel der Zeit als subjektiv-beschränkten gleichzeitig entkräften und schärfen. Das schafft liebevolle Distanz, die mit der aus "Charms Zwischenfälle" bekannten Ironie die Erzählung durchsetzt, während sich Kreihsl damit selbst augenzwinkernd beim Kulturpessimismus zusehen kann."
Michael Pekler, Media Biz 9/00

"Im jüngsten Film des Manieristen, der in seinem Schaffen eine große Affinität zu Musik und Malerei hat, wird Haider nicht erwähnt. Aber die sorfältig komponierten, in einem langsamen Rhythmus montierten Bilder (Kamera Oliver Bokelberg) lassen spüren, wie eine Welt beschaffen ist, in der Menschen Amok laufen, eine Welt, in der Obsthändler, die einen Apfel mit einem Blatt daran für einen Maler aufbewahren, verdrängt werden durch seelenlose Supermärkte, in denen es nur noch in Folie abgepackte, polierte Äpfel gibt. HEIMKEHR DER JÄGER ist einer der bisherigen Höhepunkte der Berlinale, weit über das Forum hinaus.
Stuttgarter Zeitung, Februar 2000

"Mein Lieblingsfilm (aus dem Programm des "Internationalen Forum des Jungen Films") in diesem Jahr: HEIMKEHR DER JÄGER von Michael Kreihsl. Groteske österreichische Kapitalismus-Kritik."
Dorothee Wenner, Die Zeit, Februar 2000

"Den überzeugensten Eindruck hinterließ nach seiner Premiere Michael Kreihsl neuer Spielfilm HEIMKEHR DER JÄGER. In farbenprächtigen Bildern schildert der stille geheimnisvolle Film die Geschichte eines Kopisten von alten holländischen Meistern, der von den kleinen Dingen des täglichen Lebens mehr und mehr überfordert wird und sich schließlich vom anarchistisch denkenden zum kriminell handelnden Menschen wandelt."
Kleine Zeitung, Februar 2000 anläßlich der Berlinale

"In Michael Kreihsl Spielfilm HEIMKEHR DER JÄGER ist Franz (Ulrich Tukur) ein Kopist alter Meister, vornehmlich Niederländer, und arbeitet mit ähnlicher Sorgfalt wie die Schöpfer der Originale. Für ein Stilleben studiert er den Verwesungsprozeß von Obst und Gemüse, während um ihn herum die Welt in Auflösung begriffen ist. (. . .) HEIMKEHR DER JÏGER ist nicht der klassische Unterhaltungsfilm, aber der schönste und am sorgfältigsten gemachte österreichische Film des Jahres. Mit bizarren und surrealen Bildideen verbindet Kreihsl die bildende Kunst mit Erfindungen und Erzähltraditionmn von Autoren wie Franz Kafka und Thomas Bernhard. Ohne Anklage wird Franz erschossen "wie ein Hund", heißt es in Kafkas "Prozess". Zweifellos hätte HEIMKEHR DER JÄGER den Großen Diagonale-Preis verdient (. . .)."
Peter Angerer, Tiroler Tageszeitung, 4. April 2000

"Ohne ein erklärendes Wort zuviel kommt der erregende Zweitling HEIMKEHR DER JÄGER des auch als Theaterregisseur erfolgreichen Michael Kreihsl aus. (. . .) Kreihsl hält verbale Kommunikation kurz und läßt Bilder ex- und implodieren. In der Filmkamera beginnen Rembrandts zu laufen. Der Held versucht mit einer Videokamera, für seine Tochter Reste lebenswerter Sensibilitäten und Alltagsästhetiken festzuhalten. Mit dem Kopiergerät multipliziert Franz Kunstwerke. Kreihsl stellt, um die Entfremdung seines Helden zu visualisieren, Brueghels Bild von der Bauernhochzeit beklemmend nach. Vergleichbares wagte nur Peter Greenaway."
Hansjörg Spies, Kleine Zeitung Steiermark, 31. 3. 2000

"Der Filmtitel zielt auf ein Gemälde Pieter Brueghels, das im Wiener Kunsthistorischen Museum hängt. Die eisige Landschaft des Bildes findet ihre Entsprechung im immer schnelleren Zufrieren aller seelischen Ruhepunkte im Leben des Bilder-Restaurators Fraz (Ulrich Tukur spielt ihn bravourös). Kreihsl hält die verbale Kommunikation auf Sparflamme. Dafür explodieren die Bilder. (. . .) Außer von Peter Greenaway und Atom Egoyan ist derartig verdichtete Filmästhetik in jüngerer Zeit nie versucht worden."
Hansjörg Spies, Kleine Zeitung Kärnten, 31. 3. 2000

"HEIMKEHR DER JÄGER von Michael Kreihsl - 'Don Quchote made in Austria' oder aber "Von der Vergänglichkeit des Schönen an sich". Mittendrin ein verstörter Ulrich Tukur in unerfüllter Liebe zu gemalter Kunst. So romantisch kann Zynismus sein."
Heimo Sver, Steirische Wochenpost, 30. 3. 2000

"Großen Beifall erntete Ulrich Tukur anläßlich der Österreich Premiere für sein schauspielerische Leistung in HEIMKEHR DER JÄGER."
Kärntner Tageszeitung, 4. 4. 2008

"Wie Franz ein Getriebener ist, der sich auflehnt, weil ihm Auflehnung das einzig Adäquate erscheint, ohne dabei die Verhältnisse zu durchschauen, ist aukh Kreihsls HEIMKEHR DER JÄGER kein 'gesellschaftskritischer' Film nach herkömmlichen Maßstäben. Kreihsl wahrt ironische Distanz zu seinem als Kohlhaas verkleideten Don Quichotte, doch er teilt auch dessen Verzweiflung und Gefühl der Ohnmacht. Einer wie Franz, so zeigt Kreihsls HEIMKEHR DER JÄGER, gehört dorthin, wo man ihn anfangs an der Arbeit sieht: ins Museum. Ebenso, wie es Franz unvorstellbar ist, anders zu leben, ist es ihm auch unvorstellbar, dass es etwas Anderes geben könnte, das sich von der drohenden Plastik-Einheitswelt gleichermaßen unterscheidet wie von seiner Idylle. Mit dem altertümlichen Helm und dem Gewehr aus der Vitrine zieht Franz los - von den anderen, die gleich ihm einen Verlust spüren könnten, weiß er nichts, will er auch nichts wissen . . . Kreihsl Film HEIMKEHR DER JÄGER mit dem kongenialen Ulrich Tukur in der zentralen Rolle des Franz, als einen, der aus der Zeit herausfällt, weil er nicht in deren Falle tappen will, passt 'wie angegossen' zu seinem Entstehungsjahr: Österreich 2000."
Kurt Hofmann, Die Linke, April 2000